Studie
Seelische Gesundheit in Unternehmerfamilien
Universität Witten-Herdecke
Ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt
Familienunternehmen bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – und hinter jedem dieser Unternehmen steht mindestens eine Familie. Besonders in den aktuell herausfordernden Zeiten tragen Unternehmerfamilien eine hohe Verantwortung und müssen strategische Entscheidungen treffen, um Krisen zu bewältigen. Die enge Verflechtung von Unternehmen und Familie erfordert einen bewussten Umgang mit den damit verbundenen Herausforderungen. Dazu zählen unter anderem die unternehmerische Verantwortung, generationsübergreifende Nachfolgeprozesse sowie eine Rollenkonfusion zwischen dem Engagement für das Unternehmen und der als Familienmitglied – oft begleitet von unterschiedlichen familiären und beruflichen Erwartungen. Diese enge Verbindung kann sich sowohl positiv als auch belastend auf die seelische Gesundheit der Familienmitglieder auswirken, weshalb eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema essenziell ist.
Seelische Gesundheit gilt als zentrale Voraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe. Sie umfasst das gesamte Spektrum von Wohlbefinden über Belastungssymptome bis hin zu psychischen Störungen. Dabei spielen Risiko- und Schutzfaktoren, individuelle und familiäre Ressourcen sowie gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Störungen eine wesentliche Rolle.
Das Kooperationsprojekt zwischen dem Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) und der Universität Witten/Herdecke untersucht, wie Unternehmerfamilien mit ihren spezifischen Herausforderungen umgehen, ihre seelische Gesundheit und Widerstandskraft bewahren und welche Faktoren sie dabei besonders auszeichnen. Dabei wird der Fokus über das Individuum hinaus auf die gesamte Unternehmerfamilie gerichtet – insbesondere auf die Frage, wie die Familienmitglieder auch unter Belastung in einer starken und tragfähigen Beziehung zueinander bleiben können.
Übergeordnetes Ziel des Projekts
Obwohl Unternehmerfamilien und Familienunternehmen gut erforscht sind, fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie diese besonderen Rahmenbedingungen die Gesundheit der Familienmitglieder beeinflussen. Die Ergebnisse dieser Studie sollen sowohl der aktuellen als auch zukünftigen Generationen von Unternehmerfamilien als wertvolle wissenschaftliche Grundlage für einen bewussteren Umgang mit dem eigenen Wohlbefinden dienen.
Das Ziel des interdisziplinären Forschungsprojekts umfasst die empirische Untersuchung der seelischen Gesundheit in Unternehmerfamilien, entlang eines systemischen Verständnisses. In der Literatur liefern beispielsweise systemisch-familientherapeutische Perspektiven, wie das Konzept der Delegationen und der bezogenen Individuation, erste Erklärungsversuche zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Veränderung der seelischen Gesundheit. Mit dem Projekt soll das Feld der seelischen Gesundheit in Unternehmerfamilien für die Forschung geöffnet werden, sodass das eher verschwiegene Thema enttabuisiert und somit Mitgliedern aus Unternehmerfamilien ein Kontext geboten wird, in dem ein offener Austausch über seelische Gesundheit möglich ist.
Forschungsleitung / Ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt
Bei dem Projekt handelt es sich um ein Kooperationsprojekt des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) und dem Lehrstuhl der klinischen Psychologie und Psychotherapie III der Fakultät Gesundheit an der Universität Witten/Herdecke.
Das Forschungsteam setzt sich zusammen aus:
Herrn Prof. Dr. Tom Rüsen, Vorstand der WIFU-Stiftung
Herrn Prof. Dr. Heiko Kleve, Geschäftsführender sowie akademischer Direktor des WIFU und Lehrstuhlinhaber (Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien)
Frau Prof. Dr. Christina Hunger-Schoppe, Lehrstuhlinhaberin (Klinische Psychologie und Psychotherapie III, Schwerpunkt Systemische- sowie Familientherapie, Universität Witten/Herdecke)
Frau Magdalena Wendt, M.Sc., M.A., Klinische Psychologin, Mediatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt
Herrn Philipp Wichelhaus, M.A., approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Familientherapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt.